Kuscheleinheiten ohne Tabus

Auch behinderte Menschen kennen Sexualität. Das Problem ist nur, dass sie sich meistens nicht gut damit auskennen. Auch Eltern und Betreuer sind verunsichert, wie sie damit umgehen sollen.

Die Offenen Hilfen Neuburg bieten deshalb jetzt ein Beratungsangebot mit pro familia Ingolstadt an. Inklusion ist ein kompliziertes Wort, das vor allem Politiker gerne verwenden. Viele Behinderte verstehen es gar nicht, obwohl es doch um sie gehen soll.

Auch behinderte Menschen kennen Sexualität. Das Problem ist nur, dass sie sich meistens nicht gut damit auskennen. Auch Eltern und Betreuer sind verunsichert, wie sie damit umgehen sollen.

Die Offenen Hilfen Neuburg bieten deshalb jetzt ein Beratungsangebot mit pro familia Ingolstadt an. Inklusion ist ein kompliziertes Wort, das vor allem Politiker gerne verwenden. Viele Behinderte verstehen es gar nicht, obwohl es doch um sie gehen soll. Warum man nicht einfach von Mitmachen, Dabei sein oder Dazugehören redet, bleibt ein Geheimnis der Politiker und Soziologen. Aber wie auch immer – dieses Wort Inklusion bringt seit einiger Zeit neue Antworten auf die Frage: Wie sollen wir als Gesellschaft mit Behinderten umgehen?

Behinderte Schüler in normalen Schulklassen sind ein Beispiel dafür, wie dieser neue Ansatz funktionieren kann. Benjamin Seuberth, der Leiter der Offenen Hilfen in Neuburg, sagt dazu: „Durch die Inklusion werden heute ganz viele Themen offen diskutiert, die früher unter der Bettdecke verborgen blieben.“ Damit hat er das Thema schon angesprochen: Sex.Zärtlichkeit, Partnerschaft, Kinderwünsche: „Sexualität ist nicht behindert.

Diese Menschen haben genauso sexuelle Bedürfnisse, wie jeder andere“, erklärt Eva Sindram. Die Sozialpädagogin ist so etwas wie der Doktor Sommer bei Fragen der Sexualität und Behinderung. Im Auftrag der pro familia – wieder ein kompliziertes Wort: Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung – hilft sie Behinderten, deren Familien und auch professionellen Betreuern, mit diesem heiklen Thema umzugehen. „Humor ist ganz wichtig“, sagt Sindram. Lachen ist ein Türöffner.

Denn Behinderte äußern ihre sexuellen Wünsche oft völlig unerwartet. Soziale Gepflogenheiten und Grenzen kennen sie nicht so. „In der Behindertenarbeit funktioniert ganz viel über körperliche Nähe. Da ist es für einen Behinderten ganz normal, wenn er eine attraktive Verkäuferin sieht, dass er die auch anfassen will“, sagt Sindram.
Für Behinderte, die in speziellen Einrichtungen wohnen, gebe es nicht die Möglichkeit, einfach in einem Café eine Partnerin kennenzulernen. In den Parallelwelten, in denen Behinderte leben, ist es gar nicht so einfach, einen Raum für eine Kuscheleinheit zu finden.


„Sexuelle Aufklärung ist bei einem normalen Menschen ein lebenslanger Prozess, bei einem Behinderten ist das nicht der Fall“, sagt Seuberth. „Viele Behinderte haben sexuelles Verlangen, wissen aber nicht einmal, wie man sich selbst befriedigt“, erklärt Sindram. Mit Bilderbüchern, Plüschgenitalien und viel Einfühlungsvermögen werden diese Menschen mit dem Thema vertraut gemacht. „Sie sollen einfach das Recht bekommen, mit zu entscheiden über den eigenen Körper“, sagt Sindram.

Diese Aufklärung hat auch eine Schutzfunktion: „Menschen mit Behinderung sind doppelt so oft betroffen von sexuellem Missbrauch, wie normale Menschen“, sagt Sindram. Je mehr sie über Sexualität bescheid wüssten, desto besser seien sie vor Übergriffen geschützt.

Ab November wird es Sprechstunden zum Thema geben: Jeden zweiten Mittwoch im Monat berät Eva Sindram von 16 bis 18 Uhr bei den Offenen Hilfen in Neuburg. Sie sind erreichbar unter Telefon (0 84 31) 6 44 99 31 oder via E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Eva Sindram von pro familia ist erreichbar unter Telefon (0841) 37 92 89 12 oder via E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Von Sebastian Schanz, Donaukurier